2 Jahre mit der Fuji X100VI

Ich fasse in diesem Artikel meine Gedanken vom Anfang der Reise mit der Fuji (in kursiv) auf und kommentriere sie mit meinen Erfahrungen und Eindrücken nach gut 2 Jahren und 8332 Aufnahmen (Stand 14.10.27).

Im Februar 2024 war ich mir erst nicht sicher, ob eine APS-C Kompaktkamera, auf der nicht Canon steht, die für jpegs bekannt ist und eine nicht wechselbare Festbrennweite hat, etwas für mich wäre. Und dann noch nicht mal meine geliebte Brennweite von 50mm sondern ca. 35mm APS-C Äquivalent. Bei allen Zweifeln, hat mich die X100VI damals in einigen Punkten überzeugt, es mal mit einer APS-C Edel Kompakten zu versuchen.
Warum ich sie liebe, welche Punkte sich bewahrheitet haben und was ich vorher nicht geahnt hätte, erzähle ich im Nachfolgenden:
1.) Das Design. Ein Traum. Meine Canon P guckt ganz neidisch.
Stimmte damals, stimmt heute. Sie liegt auch an langen Tagen immer noch gut in der Hand sieht sexy aus und ist fast schon ein Archetyp DER Edelkompakten Kameras geworden. Grüße gehen raus an die Nikon ZR, die Lumix S9, die Ricoh GR IV (inkl. GR IV HDF & Monochrome) und an die Sony Cyber-shot RX1R III.

2.) Filmsimulationen. Bei Fuji deutlich mehr als irgendein Insta Filter. Kodak Portra 400, Ilford FP4 Plus, Kodak Ultramaxx 400, Kodak Gold 200, Kodak Tri-X400 usw. immer dabei und umschaltbar.
Hier ein Auszug meiner damaligen Gedanken:
Das Thema Filmsimulationen finde ich spannend, aber zur Zeit bin ich dabei mich in die Thematik einzuarbeiten. Bei den ersten Fotos testete ich die verschiedenen Fuji Simulationen einmal am Bildschirm in Lightroom durch. Sehr interessant.
Wenn ich meine bevorzugten Simulationen gefunden habe, werde ich in Zukunft eine Filmsimulationsreihe aufnehmen. Auch andere sogen. Reciepes klingen sehr verlockend. Bei den heutigen Filmpreisen immer eine Rolle Kodak Portra 160, Kodak Ultramaxx 400 diverse Ilford Filme und sonstige Lieblingsfilme dabei zu haben, klingt zu schön um wahr zu sein. Bin sehr gespannt und werde auch mal einen direkten Vergleich zwischen Original Analog Film und der Simulation angehen!
Ich dachte damals "wow diese hochgelobten Filmsimulationen werden meine Art zu fotografieren revolutionieren".
Nun leider nein, leider gar nicht!! Die Simulationen benutze ich wenn überhaupt nur in Lightroom. Anfangs hatte ich noch die Bildqualität auf L Fine + RAW (die RAWs in verlustfreier Kompression) eingestellt. Fine + RAW bei Fujifilm bedeutet, dass die Kamera bei jedem Auslösen zwei Dateien gleichzeitig auf der Speicherkarte speichert.
Eine Datei RAW und eine Fine (Fine bedeutet: Ein fertiges JPEG-Bild in der höchsten Qualitätsstufe der Kamera, bei dem die internen Fujis-Filmsimulationen direkt angewendet werden können.)
Relativ schnell begann ich pro Foto nur eine RAW Datei zu speichern, also keine Jpegs mehr. Dies ist auch heute noch so.

3.) Eine moderne "Immer-dabei" im Retro Look, die auch in der Bedienung eine perfekte Mischung aus Retro und Modern ist.
Bei einer Canon P aus dem Jahr 1959 hat man die Blende, die Verschlusszeit und den Fokus. That's it. 100% mechanisch und simpel. Mein Ziel war, die Fuji so zu konfigurieren, dass sie mit der Einfachheit einer Canon P bedient werden kann, gleichzeitig aber auch das Potenzial der X100VI voll ausgeschöpft ist. Also einfach gesagt: Eine "immer dabei" Point and Shoot die vieles kann, was mir aber nicht auf die Nerven geht, sondern mich im Hintergrund unterstützt. Quasi, anmachen, Motiv finden, Foto, fertig. Das Fotografieren steht im Vordergrund, nicht die Technik. Bis dahin braucht es aber viele Klicks der Konfiguration. Eine solch technisch hochgezüchtete Kamera bietet gefühlt 400 verschiedenste Menüpunkte, mit denen man sie sich so konfigurieren kann wie man es möchte.
Einmal eingestellt ist die Bedienung dann intuitiv, simpel und smooth.
Ein Beispiel: Die Gesichts und Objekterkennung habe ich auf die vordere Taste gelegt. Schnell zu und abschaltbar ohne extra umgrifen zu müssen; falls z.B. mal ein Vogel sich darum bemüht nicht fotografiert zu werden. ;-)

4.) Es gibt sie in silber und in schwarz. Da meine Canon P bereits silber ist, entschied ich mich für schwarz.
Der berühmte Spruch von Henry Ford lautet: „Jeder Kunde kann ein Auto in jeder gewünschten Farbe haben – solange es schwarz ist.“ In diesem Falle kein Auto aber es gilt genau so für Kameras aller Art. Black is beautiful; und halt auch Geschmackssache.

5.) Größe, Haptik und Mobilität. In einer Jackentasche findet sie immer Platz.
Würde stimmen, nur trage ich ganz selten Jacken!! ;-) Prinzipiell aber JA von der Größe her. Oft habe ich sie in einer seitlichen Gürteltasche dabei. Auf dem Wacken oder bei Konzerten beispielsweise.

Einstellungen, die sich bewährt haben:
Was ich von Anfang an so eingestellt habe und es seit dem auch nie geändert habe sind unter anderem die Autom. ISO Einstellungen:
1) 125-12800 min. 1/30
Meine Standard Einstellung Street. Bei Tageslicht Top (die 1/30 nimmt sie da fast nie) und wenn es dunkler ist, z.B. U-Bahn Haltestelle schön für Schlieren und Wischer.

2) 125-12800 min. 1/125
Street im Herbst oder bei bewölktem Himmel. Ansonsten Party, Konzerte, Events, Menschen und Motive mit viel Bewegung.

3) 125-12800 min. 1/500
Tiere der Großstadt (Tauben, Enten, Hunde) und schnelle Bewegungen wie Fahrzeuge, Fahrräder, Wasser (Regen), Tänzer o.ä.

Natürlich ist es immer eine Einzelfall Abwägung und meist entscheidet der Bauch.
Und was wenn die Kamera sich für ISO 12800 entscheidet?? Sind die Bilder da nicht komplett verrauscht?? Nun in den meisten Fällen geht es bei den seltenen Aufnahmen mit 12800 um die Atmosphäre, nicht um Details. Bei einem Konzert z.B. ist mir ein rauschiges Foto lieber als gar keins. In Schwarz/Weiß kann das sehr gut aussehen. Da ich aus der analogen Fotografie komme, macht mir persönlich Rauschen gar nichts. Will sagen: An meiner Kamera ist ISO auf Auto mit maximalem Wert.

*Ach ja: Die Dynamikumfang-Einstellungen (DR) steht bei mir immer auf DR400. Die DR helfen dabei, helle Lichter in kontrastreichen Szenen zu schützen und gleichzeitig Details in den Schatten anzuheben.
D.h. die Kamera unterbelichtet das Bild um 2 Blendenstufen und hellt die Schatten auf. Dies erfordert einen höheren Mindest-ISO (meist ab ISO 500 oder 800). Ideal für helle Sonnentage oder Gegenlicht. Kann bei höheren ISO-Werten jedoch etwas mehr Schattenrauschen erzeugen aber das ist mir noch nie aufgefallen.
Bei den gefühlt 388 Möglichkeiten und Menüpunkten möchte ich gar nicht auf alles eingehen.
Ein Punkt jedoch, auf den ich oft angesprochen werde:
"Hast Du kein Foto gemacht? Man sieht ja nix"
Die Bildrückschau ist bei mir, tatsächlich bewusst, ausgeschaltet. Warum??
Nun ich komme aus der analogen Fotografie und dort sieht man das fertige Bild erst nach Tagen, manchmal Wochen. Den Anspruch ein Foto zu machen und zu wissen, es ist gut so wie es ist, ohne es gesehen zu haben, möchte ich mir beibehalten. Wenn ich es doch sehen will drücke ich kurz auf Play. Ansonsten sehe ich erst am Rechner, ob und wie das Foto geworden ist. Diesen Reiz muss man mögen und die Canon R6 Mark II ist genauso konfiguriert. Nur bei der Canon ist auch die Bildvorschau deaktiviert, aber das ist ein anderes Thema. #sucherkind
FAZIT:
Nach zwei Jahren mit der Fuji X100VI kann ich sagen: Diese Kamera ist für mich zu einem festen Begleiter im Alltag geworden. Ob auf der Straße, bei Events, auf Reisen oder einfach unterwegs – sie ist fast immer dabei und genau das macht für mich einen großen Teil ihres Reizes aus.
Besonders begeistert mich die Kombination aus kompakter Bauweise, hervorragender Bildqualität und dem Design der X100VI. Die Kamera liefert Ergebnisse, die mich immer wieder aufs Neue überzeugen, ohne dass ich dafür viel Zeit in der Nachbearbeitung verbringen muss. Gerade bei Streetfotografie schätze ich ihre Unauffälligkeit und die Möglichkeit, spontane Momente einzufangen, ohne dabei zu sehr aufzufallen.
Auch bei Events hat sich die X100VI als zuverlässige Begleiterin bewährt. Sie ist schnell einsatzbereit, flexibel im Alltag und bietet eine Bildqualität, die sich keineswegs vor größeren Kameras verstecken muss.
Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Wechselobjektivsystem mehr Flexibilität bieten würde. Doch genau die bewusste Beschränkung auf die feste Brennweite empfinde ich inzwischen als Vorteil. Sie hilft mir, mich stärker auf den Moment und die Bildgestaltung zu konzentrieren.
Die Fuji X100VI ist für mich weit mehr als nur eine Kamera. Sie ist die Verlängerung meiner Sicht und ein Werkzeug, das mich dazu motiviert, häufiger zu fotografieren, den Blick für Details zu schärfen und die kleinen Geschichten des Alltags festzuhalten. Und genau deshalb ist sie so oft mit dabei. I LOVE YOU X100VI. ❤️









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